Remote Work hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenthema zu einem festen Bestandteil vieler Arbeitsmodelle entwickelt. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Immobiliensektor, da sich Wohnpräferenzen, Standortentscheidungen und Nutzungskonzepte spürbar verschieben. Marcus Wellhöner, Immobilienexperte mit langjähriger Erfahrung, ordnet die aktuellen Entwicklungen im folgenden Interview ein.
Herr Wellhöner, welche grundlegenden Veränderungen beobachten Sie durch Remote Work im Immobilienmarkt?
Marcus Wellhöner: Remote Work führt zu einer spürbaren Verschiebung bei Wohnentscheidungen, weil der Arbeitsort für viele Menschen an Bedeutung verliert. Während früher die Nähe zum Arbeitsplatz ein dominierendes Kriterium war, rücken heute andere Faktoren stärker in den Vordergrund, etwa Wohnfläche, Lebensqualität und Kostenstruktur. Dadurch entstehen neue Nachfragebewegungen, die sowohl städtische als auch ländliche Märkte betreffen, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung.
Bedeutet das, dass Städte an Attraktivität verlieren?
Marcus Wellhöner: Ein genereller Bedeutungsverlust von Städten lässt sich so nicht feststellen, da urbane Räume weiterhin wirtschaftliche Zentren bleiben und zahlreiche Vorteile bieten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die Bindung an den unmittelbaren Arbeitsort schwächer wird, wodurch sich die Entscheidungsspielräume erweitern. Einige Menschen ziehen gezielt in kleinere Städte oder ins Umland, weil sie dort mehr Wohnraum für ihr Budget erhalten und gleichzeitig ihre beruflichen Anforderungen weiterhin erfüllen können.
Welche Rolle spielt das Umland großer Städte in diesem Zusammenhang?
Marcus Wellhöner: Das Umland gewinnt deutlich an Bedeutung, da es eine Art Mittelweg zwischen urbaner Infrastruktur und ländlicher Lebensqualität bietet. Gute Verkehrsanbindungen und eine funktionierende digitale Infrastruktur machen diese Regionen besonders attraktiv für Menschen, die nur noch gelegentlich pendeln müssen. Dadurch steigen in vielen dieser Regionen die Immobilienpreise und die Nachfrage nach Einfamilienhäusern oder größeren Wohnungen.
Verändert Remote Work auch die Anforderungen an Immobilien selbst?
Marcus Wellhöner: Die Anforderungen an Wohnimmobilien haben sich deutlich verändert, weil Wohnen und Arbeiten häufiger am selben Ort stattfinden. Viele Menschen legen inzwischen Wert auf zusätzliche Räume, die sich als Homeoffice nutzen lassen, oder auf flexible Grundrisse, die unterschiedliche Nutzungen ermöglichen. Auch Faktoren wie Tageslicht, Ruhe und eine stabile Internetverbindung spielen eine größere Rolle als früher.
Welche Auswirkungen hat das auf Projektentwickler und Bauträger?
Marcus Wellhöner: Projektentwickler reagieren zunehmend auf diese veränderten Bedürfnisse, indem sie Grundrisse anpassen und neue Wohnkonzepte entwickeln. Wohnungen mit integrierten Arbeitsbereichen oder gemeinschaftlich nutzbaren Arbeitsflächen innerhalb von Wohnanlagen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig wird stärker darauf geachtet, dass Gebäude technisch so ausgestattet sind, dass sie den Anforderungen moderner Arbeitsmodelle gerecht werden.
Gibt es auch Auswirkungen auf Gewerbeimmobilien, insbesondere Büroflächen?
Marcus Wellhöner: Der Büroimmobilienmarkt befindet sich in einer Phase der Anpassung, weil Unternehmen ihre Flächenbedarfe neu bewerten. Viele Firmen reduzieren klassische Büroflächen oder gestalten diese flexibler, um hybride Arbeitsmodelle zu unterstützen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach hochwertigen, gut angebundenen Bürostandorten, die als Treffpunkte für Zusammenarbeit und Austausch dienen. Weniger attraktive Büroflächen stehen dagegen stärker unter Druck und müssen teilweise neu genutzt werden.
Welche Chancen ergeben sich daraus für Investoren?
Marcus Wellhöner: Investoren können von diesen Entwicklungen profitieren, wenn sie die Veränderungen frühzeitig erkennen und in ihre Strategien integrieren. Besonders interessant sind Standorte im erweiterten Einzugsgebiet von Metropolen, die sowohl eine gute Erreichbarkeit als auch eine hohe Lebensqualität bieten. Darüber hinaus eröffnen sich Chancen bei der Umnutzung von Bestandsimmobilien, etwa wenn Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden.
Welche Risiken sollten Investoren im Blick behalten?
Marcus Wellhöner: Ein wesentliches Risiko besteht darin, Entwicklungen zu pauschal zu interpretieren, da sich nicht alle Regionen gleich entwickeln. Während einige ländliche Gebiete profitieren, können andere weiterhin mit strukturellen Herausforderungen kämpfen. Auch im Bürosegment ist eine differenzierte Betrachtung notwendig, weil sich die Nachfrage stärker auf hochwertige und flexible Flächen konzentriert. Eine fundierte Standortanalyse bleibt daher entscheidend.
Wie nachhaltig sind die Veränderungen durch Remote Work aus Ihrer Sicht?
Marcus Wellhöner: Die Entwicklung hin zu flexibleren Arbeitsmodellen wird sich aus heutiger Sicht langfristig etablieren, auch wenn sich konkrete Ausprägungen weiter verändern können. Unternehmen und Beschäftigte haben die Vorteile erkannt und werden diese in vielen Fällen beibehalten. Dadurch bleibt auch der Einfluss auf den Immobilienmarkt bestehen, insbesondere in Bezug auf Wohnstandorte und Nutzungskonzepte.
Welche Entwicklung erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Marcus Wellhöner: Es ist davon auszugehen, dass sich die Immobilienmärkte weiter ausdifferenzieren, weil unterschiedliche Standorttypen unterschiedliche Rollen übernehmen. Städte bleiben wirtschaftliche Zentren mit hoher Nachfrage, während das Umland und ausgewählte ländliche Regionen stärker in den Fokus rücken. Für Investoren, Projektentwickler und Eigentümer wird es daher immer wichtiger, die spezifischen Eigenschaften eines Standorts genau zu analysieren und strategisch zu bewerten.
Was bedeutet das für private Käufer und Selbstnutzer?
Marcus Wellhöner: Für private Käufer eröffnen sich neue Möglichkeiten, weil die Wohnortwahl flexibler geworden ist. Gleichzeitig sollte die Entscheidung nicht allein auf kurzfristigen Trends basieren, sondern langfristige Faktoren wie Infrastruktur, Wertentwicklung und persönliche Lebensplanung berücksichtigen. Wer diese Aspekte sorgfältig abwägt, kann von den Veränderungen durch Remote Work profitieren.
Vielen Dank, Marcus Wellhöner.
Marcus Wellhöner ist geschäftsführender Gesellschafter mehrerer Immobilienunternehmen und ein erfahrener Experte in den Bereichen Immobilienverwaltung, Vermietungsmanagement und Kapitalanlagen. Mit einem klaren Fokus auf Verlässlichkeit, Transparenz und nachhaltige Lösungen verbindet er wirtschaftliche Expertise mit einem ausgeprägten Verständnis für die praktischen Anforderungen der Immobilienbranche.
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